Vom Schulabbrecher zum Gigabyte-Millionär

Vom Schulabbrecher zum Gigabyte-Millionär

Bei Bürgermeistern ist David Zimmer gern gesehen. Der Gründer der inexio Gruppe lässt in ländlichen Gegenden Glasfaserkabel verlegen und schließt so Internet-Lücken, die Deutsche Telekom und Co. als unvermeidlich deklarieren. Auf Großunternehmen ist der Saarländer ohnehin eher schlecht zu sprechen.

Im Jahr, in dem in Berlin die Mauer fällt, reist ein 16-Jähriger aus dem Saarland in die USA und beginnt seine eigene Freiheitsgeschichte. „Im Schüleraustausch habe ich 1989/90 erlebt, wie individuelle Förderung und die Konzentration aufs Wesentliche Menschen motivieren können“, erinnert sich David Zimmer. An einer Privatschule habe er zum Beispiel Schauspiel- und Rhetorikunterricht genossen. „Davon profitiere ich bis heute, weil ich als Manager unter anderem mit Worten, Mimik und Gestik überzeugen muss.“ Im gleichmacherischen Gymnasium fühlt sich der Sohn eines Arztes und einer Sozialpädagogin nach seiner Rückkehr fehl am Platz. Er bittet den Direktor, sich zu Hause eigenständig auf die Prüfungen vorbereiten zu dürfen. „So etwas konnte ein deutscher Beamter nur als jugendlichen Hochmut ablehnen.“ Die Situation eskaliert und der „Eigenbrötler“, wie die Mutter ihn nennt, bricht drei Monate vor dem Abitur die Schule ab.

 

 

Der Drang, unabhängig zu entscheiden, wird zum roten Faden im Leben des David Zimmer. Gefragt, wie viele Monate seine längste Anstellung gedauert habe, denkt der heute 45-Jährige einen Moment nach. „Sozialversicherungspflichtig beschäftigt bin ich nie gewesen. Was einer klassischen Anstellung am nächsten kommt, war unser Joint Venture mit RWE.“ Der Essener Konzern übernimmt im Jahr 2001 die Mehrheit eines Medienunternehmens, das David Zimmer gemeinsam mit seinem Bruder gegründet hat, und ernennt David Zimmer zum Vorstand der Tochtergesellschaft. „Ich glaubte, gemeinsam mit RWE schneller voranzukommen. Letztlich musste ich aber einsehen, dass die Strukturen eines solchen Riesentankers das Gegenteil bewirken.“

 

 

David Zimmer schüttelt den Kopf, wenn er an stundenlange ergebnisarme Meetings denkt. Kaum eine Führungskraft habe Gestaltungswillen gezeigt. Es sei vor allem darum gegangen, den Status quo zu erhalten. „Manch einer befand es für wichtiger, auf dem Firmengelände einen attraktiven Parkplatz zugewiesen zu bekommen als Zukunftsmärkte zu erschließen.“ 2007 kündigt David Zimmer. Sein Vorgesetzter wertet dies als Gehaltspoker und bittet zum Gespräch. „Mit der Geisteshaltung in Konzernen scheint es unvereinbar, dass jemand seinen Job aufgibt, weil er mehr PS auf die Straße bringen möchte.“

Kleine Fehler sind der Preis der Freiheit.

 

„Mehr PS“ – diese Metapher kehrt im Gespräch häufig wieder. „Bei inexio gelingt es uns regelmäßig, komplette Dörfer samt Gewerbegebiet innerhalb von drei Monaten mit High-Speed-Internet zu versorgen“, so David Zimmer. Eine wesentliche Grundlage für schnellen, hochwertigen Service sieht der Manager in der Kultur von Verantwortung und eigenständigem Denken, die bei inexio herrsche. Ihm sei es lieber, wenn ein Mitarbeiter gelegentlich einen Fehler korrigieren müsse als wenn wegen jedes Ersatzteils Formulare durch sämtliche Hierarchiestufen gereicht würden. „Kleine Fehler sind der Preis der Freiheit“, ist David Zimmer überzeugt. „Ein viel größerer Schaden entsteht dort, wo Menschen die Courage verlieren. Denn das bedeutet Stillstand.“ 

 

 

Die Person

David Zimmer

David Zimmer ist persönlich haftender Gesellschafter der inexio Beteiligungs GmbH & Co. KGaA und ein echter Selfmademan: Erstes Unternehmen mit 17, Joint Venture mit RWE mit 27, erneute Unternehmensgründung mit 34, Entrepreneur des Jahres mit 35. Zudem ist David Zimmer Landesvorsitzender von DIE JUNGEN UNTERNEHMER im Saarland. 

 

Das Unternehmen

inexio Beteiligungs GmbH & Co. KGaA

Branche: Telekommunikation

Gründungsjahr: 2007

Mitarbeiterzahl: 350

Umsatz: 74 Mio €

 


 
Partner
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