Nicht von Pappe

Nicht von Pappe

Besucher im Bayerischen Monheim sehen Rot. Und Grün und Gelb und Orange und … Nun, eigentlich werden an diesem Standort von Schoeller Allibert Getränkekästen in allen erdenklichen Farben hergestellt. Aufeinandergestapelt und in Reih und Glied bilden sie eine unwirkliche, ja fast monumentale Lego-Landschaft.

Martin Schoeller (60), der Landesvorsitzende der Familienunternehmer in Bayern, führt zusammen mit seinem Bruder Christoph Schoeller in vierter Generation die Geschäfte der Schoeller Holding, zu der auch Schoeller Allibert, Weltmarktführer für Mehrwegverpackungen, zählt. Die Diplom-Ingenieure bauten das Münchner Ingenieurbüro, Schoeller International, zusammen ab 1982 zum "Global-Plastic-Player" aus. Der Urgroßvater, Alexander Paul Schoeller, jüngster von 10 Geschwistern, begründete mit der Jülicher Zuckerfabrik 1880 diesen Zweig der Familie. Das Münchner Büro feierte in diesem Jahr zwar "erst" seinen 50. Geburtstag, die Unternehmer-Tradition der Großfamilie Schoeller gibt es jedoch schon über 500 Jahre. Jahrhunderte der Tradition, in denen Werte und Lust sowie die Freude an Gestaltung und Verantwortung an unternehmerischem Handeln von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurden. Da verwundert es nicht, dass Martin Schoeller ein großer Fan des Familienunternehmertums ist. 

Wir sind ein Multi-Generationen-Unternehmen und stolz darauf, dass es der Familie seit Jahrhunderten gelingt, das Unternehmertum fortzusetzen. Weil wir uns bei den Betätigungsfeldern immer wieder neu den Märkten in der jeweiligen Zeit anpassen und es auch immer wieder gelingt, neue Trends zu initiieren

 

Und, so Schoeller weiter: "Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wir genau wegen dieser Langfristigkeit ein attraktiver Partner, ebenso für unsere Kunden. Es gibt sogar Geschäftspartner, die nur mit Familienunternehmen weitreichende Vereinbarungen eingehen wollen, die sonst bei jedem Vorstandswechsel in Frage gestellt werden könnten. Und jeder Mensch wünscht sich doch, Dinge zu schaffen, die eine Zukunft haben", so Martin Schoeller, dessen Vater mit der Erfindung des wiederverwendbaren Getränkekastens 1959 einen Grundstein für den weltweiten Erfolg des Unternehmens legte und von der Holzkastenproduktion auf Kunststoff umstieg. Alexander Max Schoeller verkaufte allerdings 1966 seine Produktion in Deutschland und gründete das Ingenieurbüro in München.

 

Letztlich sei es aber nicht nur im Interesse der Stakeholder, dass ein Familienunternehmen langfristig unabhängig bleibt, sondern auch im allgemeinen Interesse. Nicht nur Traditions-Unternehmen sind Familienunternehmen, sondern auch Start-ups, die weitergegeben werden sollen. Ein Familienunternehmen und damit das Konzept, langfristiges Commitment und wirtschaftliches Handeln zu verknüpfen, steht jedem offen. Ob er die Start-Ups vielleicht auch deswegen so ausdrücklich mit einbezieht, weil er dabei an einen seiner zwei Söhne denkt? Denn Leopold Schoeller (27), wie sein Vater Diplom-Ingenieur, hat ein Start-Up gegründet, das bestens zum Produktportfolio des Familienunternehmens passt: TURTLEBOX vermietet über das Internet langlebige, faltbare Umzugskisten aus Kunststoff. Außerdem ist mit TURTLESPACE eine "Cloud of Things" in Planung, in die Kunden ungenutzte Platzfresser auslagern können, unterstützt mit einer Smartphone App. "Er geht unternehmerisch jetzt seine ersten Schritte. Welche Rolle er später in der Firma spielt, das müssen wir nicht jetzt entscheiden. Die Strukturen für ein Familienunternehmen sind jedenfalls schon gelegt", freut sich Martin Schoeller über das Engagement seines Sohnes. Auch weil es, wie fast alle Schoeller-Aktivitäten dem  Nachhaltigkeitsprinzip folgt.

Nachhaltigkeit ist gerade das Thema Nummer eins und wir machen mit unserer Firma die Supply Chain sehr viel umweltfreundlicher und kosteneffizienter. Allein im Obst- und Gemüsebereich spart unser Mehrwegsystem durch eine Milliarde Behälterumläufe zwei Milliarden Kilo CO2 pro Jahr ein.

In Zukunft soll das alles sogar noch effizienter und "smarter" werden: Mit RFID-Chips ausgestattete Kisten geben jederzeit Auskunft über ihren Standort und erlauben eine weitere Optimierung der Logistik. Aber bei aller Nachhaltigkeit: Was, wenn die Schoeller-Sprosse nicht ins Unternehmen einsteigen wollen? "Es freut uns , dass unsere Kinder bereits ihr Interesse ausgedrückt haben, das Unternehmen langfristig auch für die nächste Generation fortsetzen zu wollen. Dafür gibt es auf jeden Fall einen Familienverwaltungsrat, der auch unterstützt von erfahrenen externen Mitgliedern die langfristige Entwicklung der Firma im Auge hat. Im Unternehmen tätig zu werden ist möglich, aber nicht unbedingt erforderlich und hängt von der jeweiligen Qualifikation und Interessenlage ab. Mein Bruder und ich verlangen von der nächsten Generation nicht, dass sie Manager werden. Das ist etwas, das man von selber wollen muss." Auch mit einer langfristig angelegten Gesellschafter- und Governance-Struktur könne sich ein  Familienunternehmen treu bleiben, erklärt Martin Schoeller, der dabei drei Punkte für entscheidend hält: "Das Unternehmen will unabhängig bleiben, sich seine Identität bewahren und die Fähigkeit behalten, sich von innen heraus zu erneuern. Dann spielt es auch keine Rolle, ob das  Familienmitglied Künstler, Sportler, Filmemacher, Immobilienentwickler, Philanthrop oder Investor  ist."

Kurz-Biografie

Martin Schoeller

Nach Abschluss des Studiums an der ETH Zürich als Dipl. Ing. arbeitete Martin Schoeller 1980 als Produktionsleiter in Brasilien. Im Jahr 1982 trat er gemeinsam mit seinem Bruder Christoph Schoeller in das Ingenieurbüro Schoeller International, einem kleinen Familienunternehmen spezialisiert auf die Herstellung

und das Engineering von Kunststoffkästen für die Getränke-Industrie, ein. Es folgte der Aufbau der Schoeller Industries München mit Fokus auf Nachhaltigkeit mit führender Marktposition in einigen Nischenmärkten. Seit 2011 ist er Landesvorsitzender von DIE FAMILIENUNTERNEHMER in Bayern.

 

Unternehmen

Schoeller Gruppe

Branche: Kunststoff-Mehrwegverpackung/ Logistik

Gründung: 1880

Mitarbeiter: ca. 3.000

Umsatz: ca. 700 Millionen Euro (2015)

 


 
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