Familienerbe: Verantwortung

Familienerbe: Verantwortung

Drei Brände, zwei Weltkriege und ein sich stark verändernder Markt: In Rettenberg im Allgäu trotzt die über 570 Jahre alte Familien-Brauerei Zötler – eines der ältesten Familienunternehmen weltweit – allen Widrigkeiten. Und erfindet sich immer wieder neu.

Ein Grund für den Erfolg steht an einem verregneten Morgen vorm Grünten, dem »Wächter des Allgäus«, im Matsch: Herbert (65) und Niklas Zötler(31). Letzterer wird Anfang 2018 die Geschäftsführung von seinem Vater übernehmen. Der sagt: »Wir haben in der Familie gemeinsam eine Strategie für die Zukunft der Brauerei entwickelt, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden muss. Das traue ich Niklas absolut zu. Außerdem gilt es aber, nicht nur ein Unternehmen, sondern eine Familie zu führen. Die ist ja auch in einer Unternehmerfamilie von Emotionen geprägt. Da ist es ganz wichtig, dass einer schaut, dass die verschiedenen Zahnräder ineinander greifen. Diese Aufgabe werde weiterhin ich wahrnehmen.«

Bis es für Niklas Zötler Anfang 2018 soweit ist, lenkt die Brauerei jedoch ein Führungs-Trio: Herbert Zötlers Schwager, Georg Müller (65), ist für den Verkauf zuständig und wird Niklas Zötler auch nach dem Ausscheiden seines Vaters weiter unterstützen. Wobei, so ist herauszuhören, Vater Herbert wird der Brauerei nicht sofort komplett den Rücken kehren.

Denn schon jetzt ist Niklas Zötler als Produktmanagerin der Brauerei tätig, hat bewiesen, dass er ein gutes Händchen für das Aufspüren von Trends im hart umkämpften Bier-Markt hat. »Die Groß-Brauereien tun uns im Markt schon weh. Heute werden ca. Dreiviertel der Biere im Handel zu Aktionspreisen verkauft. Als kleine Brauerei profitieren wir aber auch bei zudem noch sinkendem Bier-Konsum vom Craft-Beer-Trend.«, so Niklas Zötler. Diese Biere, die ihren speziellen Geschmack zum Beispiel durch besondere Hefestämme, Malzkompositionen oder Hopfensorten verdanken, erleben gerade auf der ganzen Welt einen regelrechten Hype, ob Rauch-Geschmack oder Ingwer – was gefällt, darf rein.

Bei der neuesten Produkt-Schöpfung hat er zudem gezeigt, dass ihm trotz Innovationen und Zeitgeist die Familientradition wichtig ist: Die beiden Craft-Biere »Herzsolo« und »Heilewelt« hat Niklas Zötler seinen verstorbenen Großeltern gewidmet, die die Brauerei nachdem Zweiten Weltkrieg bis in die 90er-Jahre führten und den Ausstoß verzehnfacht haben.

Man muss bestimmte Werte haben. Sonst würde es uns nicht schon so lange geben. Wir fühlen uns verantwortlich für die Natur, Mitarbeiter und die Gesellschaft. Und natürlich für unsere Kunden

 

, sagt Niklas Zötler.

Vater Herbert hakt ein: »Obwohl wir uns der Verantwortung bewusst sind, die unser Betrieb mit sich bringt, müssen wir uns das als Familienunternehmer aber gar nicht ständig in Erinnerung rufen. Man macht einfach .Das macht jeder Familienunternehmer, egal ob er jetzt eine Brauerei hat oder einen anderen Betrieb.«

Die Brauerei-Familie setzt sich für vieles ein, was die Allgäu-Region besonders macht, unterstützt beispielsweise Mundart-Vereine, Almabtriebe und versucht, ansässige Unternehmer weiter zusammen zubringen. So hat die Brauerei bereits vor Jahren für die Wirte und Hoteliers aus der Region die »Zötler Gastro-Akademie« ins Leben gerufen, um Vertretern der Branche und ihren Mitarbeitern eine kostengünstige Fort- und Weiterbildungsplattform zu bieten. Das Konzept geht auf, wird von Gastronomen, Hoteliers und Lieferanten angenommen. Dieses Engagement hat den Zötlersunter anderem 2017 den Preis der bayerischen Familienunternehmer in der Kategorie Nachhaltigkeit eingebracht. Diesem »großen« Erbe – mit all der damit verbundenen Verantwortung – fühlt sich zukünftig auch der junge Geschäftsführer verpflichtet.

Unternehmen

Privat-Brauerei Zötler GmbH

Branche: Brauerei / Lebensmittelproduktion
Gründung: 1447
Mitarbeiter: 75
Umsatz: 10,5 Millionen Euro

 


 
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