Energiewende - jetzt!

Energiewende - jetzt!

Dr. Karl Tack leitet seit 2011 die Kommission Energiepolitik und begleitet in dieser Funktion die Energiewende der Bundesregierung sehr kritisch. Sein Ziel: Ein flexibler Energiemarkt mit marktwirtschaftlichen Strukturen.

Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig sichern

Familienunternehmer haben ein existenzielles Interesse daran, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland in seiner marktwirtschaftlichen und sozialen Struktur gefestigt wird, um die großen Herausforderungen in Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik auch inZukunft meistern zu können. Darüber hinaus haben wir Familienunternehmer ein elementares Interesse daran, in allen Bereichen unseres Handelns verantwortungsbewusst mit den knappen Ressourcen zu wirtschaften, da Nachhaltigkeit Voraussetzung ist für das Überleben unserer Unternehmen, auch in der Zukunft. Familienunternehmer denken daher nicht nur in Generationen, sondern sie denken auch zukunftsorientiert immer eine Generation voraus. Diesem Anspruch stellen wir uns als Familienunternehmer, er ist zugleich Messlatte für die Bewertung despolitischen Handelns.

Deutschland als Vorbild für zielgerichtete Klimapolitik

Vor diesem Hintergrund verfolgen und begleiten wir die derzeitige Energie- und Klimapolitik mit großer Sorge. Die deutsche Politik erhebt zwar den Anspruch, Zukunftsweisendes bewirken zu wollen, allerdings sehen wir Familienunternehmer das etwas anders. Ein Ausblick in die ökonomische und ökologische Zukunft Deutschlands ist alles andere als rosig. Im Bereich der Klimapolitik muss uns allen eins klar sein: Deutschland allein wird die Welt nicht retten können. Der Anteil des CO2, das hierzulande ausgestoßen wird, ist schlicht zu marginal, um dem Klimawandel weltweit Einhalt bieten zu können. Es bleibt also nur, ein Vorbild dafür zu sein, dass ein starker Industriestandort und eine zielgerichtete Klimapolitik Hand in Hand gehen können. Nur wenn die ökonomischen Aspekte stimmen, wird es uns gelingen, andere Staaten vom Erfolg zu überzeugen und ökologisch etwas zu bewegen, auch global.

Verheerende Folgen der hiesigen Energiepolitik

Davon sind wir jedoch weit entfernt. Die Kosten-Nutzen-Analyse der hiesigen Energiepolitik ist aus unserer Sicht verheerend. Allein in das EEG fließen seit geraumer Zeit über 20 Milliarden Euro pro Jahr, die insbesondere den industriellen Familienunternehmen aus der Tasche gezogen werden. Dieses Geld strömt in den hochsubventionierten Sektor der Erneuerbaren. Man könnte dies als industriepolitisches Aufbauprogramm deuten. Die Resultate, die man sich von einer derartig massiven Förderung erhofft hat, bleiben jedoch aus. Grundsätzlich wurde die erwünschte Technologieführerschaft der Erneuerbaren nicht erreicht. Stattdessen ging insbesondere die Solarbranche beim ersten Anflug eines internationalen Wettbewerbs komplett in die Knie. Die industriellen Familienunternehmen, die seit jeher im internationalen Wettbewerb stehen und das Ganze letztlich zu zahlen haben, müssen diese Kostenbelastungen schultern. Das hat gravierende Konsequenzen für Personaleinstellungen, Forschungen und Innovationen. So schwinden zukünftige Chancen unserer Unternehmen und des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Es findet eine schleichende Deindustrialisierung statt. Einige Firmenwandern ab, viele investieren woanders und verschwinden nach und nach aus der deutschen Unternehmenslandschaft. Auch ökologisch ist die Bilanz mäßig. Zwar sinkendie nationalen CO2-Emissionen, doch das selbstgesteckte Klimaziel ist in Gefahr. Der europäische Emissionshandel wird immer wieder in Misskredit gebracht. Dabei funktioniert dieser Handel. Das Klimaziel ist gesichert und die sinkenden Preise zeigen, dass Klimaschutz billiger zu haben ist, als gedacht. So könnte Europa ein Vorbild für die Welt werden. Das wäre dann wirklich sinnvolle Klimapolitik.

Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften 

Statt Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen, was unseres Erachtens ohne Zweifel möglich wäre, werden sie in der politischen Diskussion eher gegeneinander ausgespielt. Die deutsche industriell geprägte Basis wird gefährdet und fundamentale Prinzipien der Marktwirtschaft werden ausgehebelt. Wir brauchen eine Rückbesinnung zur Marktwirtschaft, die Deutschland seit jeher stark gemacht hat. Für das nächste Jahrzehnt müssen wir auf Wettbewerb beruhende Strukturen stärken und Subventionstöpfe wie das EEG austrocknen. Wir müssen globale Lösungen vorantreiben und nationale mittelstandsfeindliche Gesetzgebungen abbauen. Darüber hinaus muss die energiepolitische Debatte wieder vom Kopf auf die Füße gestellt und grundlegend anders geführt werden. Nicht der Ausbau der Erneuerbaren ist das Ziel, sondern die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Das verstehen wir unter nachhaltigem Wirtschaften – für die kommenden Generationen eine Generation vorausdenken und Ökonomie und Ökologie versöhnen.


Zur Person

Dr. Karl Tack

ist Geschäftsführender Gesellschafter der Gebrüder Rhodius GmbH & Co.KG in Burgbrohl.

Der rheinlandpfälzische Familienunternehmer engagiert sich schon seit 1991 aktiv bei DIE FAMILIENUNTERNEHMER. Tack ist Mitglied des Bundespräsidiums von DIE FAMILIENUNTERNEHMER und leitet seit 2011 die Kommission Energiepolitik.

 
 
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